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Unerwarteter Abschied

Aussicht aus dem Flugzeugfenster auf die Erde und den Himmel.
Blick aus dem Flugzeug auf das Rote Meer (Foto: EMS/Schmorrde)

Hallo,

wie ihr alle wisst, wurde der Iran am 28. Februar von den USA und Israel angegriffen. Es war ein Samstag, ich wollte gerade frühstücken als die Sirenen ertönten. Die erste Sirene kündigt an, dass in den nächsten Minuten Raketen über Jordanien fliegen werden, die zweite heißt Entwarnung. In der Zeit zwischen den Sirenen sollte man sich am besten in einen Keller begeben oder zumindest sich von Fenstern fernhalten und sich möglichst in einem mittleren Stockwerk aufhalten. Schutzbunker gibt es in Jordanien so gut wie keine. Die Menschen in Jordanien sind das alles schon gewohnt und gehen dementsprechend locker mit der Situation um. Die Empfehlungen werden von fast niemandem befolgt und auch wenn die Sirene ertönt, läuft das alltägliche Leben ganz normal weiter. Die Menschen fahren trotzdem zur Arbeit, gehen einkaufen und schicken ihre Kinder zur Schule.

Für mich war das erstmal schon beängstigend. Man hört das Grollen der Raketen und sieht sie teilweise am Himmel. Gleichzeitig weiß man, dass sie bald irgendwo in Israel, Palästina oder im Irak einschlagen und möglicherweise Menschen töten werden. Und natürlich können vor allem Trümmerteile auch in Jordanien runterkommen. Dadurch dass die Menschen vor Ort ziemlich gelassen mit der Situation umgegangen sind, habe ich mich auch die meiste Zeit sicher gefühlt.

Am Dienstag wurden wir von der EMS informiert, dass wir ausreisen müssen. Freiwillige die einen Weltwärts Dienst leisten dürfen sich nicht in Gebieten mit Reisewarnung aufhalten. Das BMZ hatte Flugtickets bei Royal Jordanian, der einzigen Airline, die trotzdem regelmäßig von Amman aus flog, reserviert. Es hieß, dass wir Donnerstag, Freitag oder Samstag fliegen würden. Am Nachmittag kam dann endlich die Nachricht, dass wir einen Flug für Freitag haben. Wir Freiwillige hatten eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass wir überhaupt ausreisen müssen, da uns die Reise deutlich gefährlicher vorkam als einfach an unseren Einsatzstellen zu bleiben.

Ich musste also in zwei Tagen alles zusammenpacken, mir noch einen zweiten Koffer organisieren und mich von allen lieben Menschen an der Schule verabschieden. Es war schwierig zu erklären, warum ich so plötzlich ausreisen muss und diese Entscheidung nicht in meiner Hand liegt. Denn wenn ich es hätte entscheiden können, wäre ich wahrscheinlich in Jordanien geblieben. Vor Ort hat sich die Situation wesentlich weniger bedrohlich angefühlt, als man vielleicht von außen denkt.

Am Donnerstag war ich das letzte Mal beim Iftar (Fastenbrechen) dabei und habe mich von allen verabschiedet. Ich war sehr traurig meinen Freiwilligendienst so abrupt beenden zu müssen. Es war auch schwierig zu wissen, dass ich jetzt einfach nach Deutschland gehen kann, während die Menschen dort diese Wahl nicht haben. Mir wurde nochmal mehr bewusst, in welcher privilegierten Position ich mich befinde.

Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich in den sechs Monaten machen durfte. Vor allem bin ich dankbar für alle Menschen, die mich so herzlich am HLID und in Jordanien begrüßt und aufgenommen haben.

Vielen Dank für euer Interesse, macht‘s gut!

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